Knorpelschaden / Knorpeltherapie
Jeder Knochen eines Gelenkes besitzt einen Knorpelüberzug als Gleitschicht. Dieser Gelenkknorpel hat keine Durchblutung, so dass Schädigungen an ihm nicht von selbst verheilen können.
Man unterscheidet Knorpelschäden in ihrer Entstehung (traumatisch, degenerativ oder aufgrund einer Durchblutungsstörung), ihrer Größenausdehnung und in ihrer Tiefenausdehnung (von Grad I: oberflächlich bis Grad IV: bis zum Knochen reichend). Der traumatische Knorpelschaden beim jungen Patienten tritt häufig als Begleitverletzung einer Bandverletzung auf. Der degenerative Knorpelschaden findet sich häufiger bei älteren Personen und wird als Arthrose bezeichnet. Bei der Osteochondrosis dissecans tritt ein Knorpel-Knochen-Defekt aufgrund einer lokalen Durchblutungsstörung auf.
Es gibt verschiedene Ansätze zur nicht-operativen Therapie bei Knorpelschäden. Zunächst müssen Achsenabweichungen die zu einer Knorpelüberlastung führen durch spezielle Einlagen oder Schienen korrigiert werden. Zur Schmerzlinderung kommen bei uns Medikamente und Physiotherapie zur Anwendung. Zudem werden zunehmend Injektionsverfahren populär bei denen z.B. Hyaluronsäure oder Eigenblut in das Gelenk gespritzt werden.
Diffuse, tiefgreifende Knorpelschädigungen an mehreren Stellen der Gelenkfläche (Arthrose) sind einer knorpelregenerativen Operation meist nicht zugängig. Bei einzelnen, umschriebenen, bis zum Knochen reichenden Knorpelschäden gibt es etablierte Methoden zum Aufbau eines Regeneratknorpels.
Die Mikrofrakturierung ist eine etablierte Methode um einen Ersatzknorpel zu bilden. Dabei wird in einer arthroskopischen Operation der freiliegende Knochen angebohrt. Durch die daraus entstehende Blutung gelangen Zellen in den Knorpeldefekt, die sich in einen Ersatzknorpel umwandeln können.
Erweitert werden kann diese Operation durch ein Deckeln der angebohrten Knochenzone mit einer Membran, um die Zellen besser am Ort halten und zur Vermehrung stimulieren zu können (autologe, matrix-induzierte Chondrogenese).
Große Defekte werden mittels einer matrix-assoziierten Knorpelzelltransplantation versorgt. Bei dieser Technik werden körpereigene Knorpelzellen entnommen, gezüchtet und vermehrt. In einer zweiten Operation werden die Zellen in den Defekt eingebracht.
Defekte die auch den darunter liegenden Knochen betreffen können durch die Transplantation von Knorpel-Knochen-Zylindern, der sogenannten Mosaik-Plastik behandelt werden. Die Zylinder werden aus einer weniger belasteten Zone des Kniegelenkes entnommen.
Bei der Behandlung von Knorpelschäden muss zwingend die Beinachse mitberücksichtigt werden. Fehlstellungen führen zu einer erhöhten Druckbelastung des Knorpels. In diesen Fällen sollten Achsenkorrekturen (Osteotomien) zusätzlich zur Knorpeltherapie durchgeführt werden. Auch Instabilitäten z.B. nach Kreuzbandrupturen müssen mitbehandelt werden.
Die Nachbehandlung ist oftmals langwierig und richtet sich nach der Art der durchgeführten Maßnahme.